Hohe US-Diplomatin zu Gast im Berufskolleg Geldern
200 Schüler des Berufskollegs empfingen am 12. Oktober 2011 die amerikanische Generalkonsulin Jancie G. Weiner im historischen Refektorium der Schule.
Neugierig waren die Gymnasiasten auf ihre Berichte über die DDR während des Kalten Krieges.
Frau Weiner, seit 2009 US-Generalkonsulin in Düsseldorf, war im Rahmen des „Meet US Programms“ der Einladung gefolgt, um mit Schülern der gymnasialen Oberstufe über ihre Zeit an der US-Botschaft in Ostberlin während der Wendezeit zu diskutieren. Dort war sie von 1988 bis 1990 in leitender Funktion tätig.
In dieser Zeit hatte sie zahlreiche Kontakte zu Mitgliedern der Umweltbewegung und, nach dem Fall der Mauer, mit Oppositionspolitikern im ganzen Land.
Sie habe die DDR als sehr grau und trist empfunden, führte Frau Weiner aus. Das Bespitzelungssystem der STASI habe zu einem großen Druck innerhalb der Familien geführt. Man könne es sich heute im Zeitalter von Handys und Internet kaum mehr vorstellen, wie schwierig es gewesen sei, als US-Diplomat mit Oppositionellen – ohne sie zu gefährden – in kleinen Dörfern in der DDR zusammenzutreffen. Im Allgemeinen sei sie jedoch freundlich von den DDR-Behörden behandelt worden, weil diese an einer Anerkennung der DDR als souveräner Staat sehr interessiert waren. Allerdings hatte die STASI in ihrem direkten Umfeld zwei Spione platziert. Während sie bei dem einen bereits früh ein ungutes Gefühl gehabt habe, hätte sie bei dem zweiten nie gedacht, dass er für den ostdeutschen Geheimdienst gearbeitet habe. Noch heute empfinde sie große Bewunderung für die Bürger der DDR und ihren mutigen Freiheitskampf. Auf die Frage, wie Sie heute die Rolle von Brandt und Bahr in der Nachkriegszeit sehe, antwortete Frau Weiner, dass beide für sie sehr wichtige Wegbereiter der Wiedervereinigung gewesen seien.Die Diplomatin arbeitete nicht nur im deutschsprachigen Raum. Stationen ihrer Karriere waren auch die US-Botschaften in Belgien (1990-1992) und der Türkei (1993-1996), wo sie für den Bereich „Menschenrechte“ zuständig war, Polen (1999-2002), Kanada und Mexiko (2008-2009). Die Schüler waren beeindruckt von den Sprachkenntnissen der US-Diplomatin, spricht sie doch neben Englisch und Deutsch auch noch Französisch, Türkisch, Polnisch, Spanisch und Niederländisch.Den Jugendlichen empfahl sie, möglichst auch für eine längere Zeit ins Ausland zu reisen um dort Erfahrungen fürs Leben zu sammeln.
„Würden Sie Ihren Job noch einmal machen?“, fragte ein Schüler. Sie antwortete darauf: „Jederzeit. Ja!“
Vielleicht wird sich einmal ein Schüler des Berufskollegs Geldern daran ein Beispiel nehmen, hofft Politik- und Geschichtslehrer Hermann Beckers, Initiator dieses ungewöhnlichen Schulbesuches.
Ein Einstieg ist gemacht: Die Schüler stellten ihre zahlreichen Fragen auf Deutsch und Englisch.